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Entstehung eines Schmuckstückes

 

Mitglied des Heimatvereins widmet sich der Geschichte des Storchplatzes

 

Durch akribische Recherche im Stadtarchiv und weiteren Quellen

hat Reinhard Hädecke die Geschichte des Storchplatzes erhellt.
In einem gut besuchten Vortrag räumte das Heimatvereinsmitglied
mit dem Irrtum auf, dass der Platz seinen Namen

vom einstigen Pastor Karl Storch (1851 - 1923) erhielt.


                                                        Von Andreas Pinkert

                                             Calbe ● Viereinhalb Jahre ist es nun schon her, als der Verschönerungsverein Calbe

                                             den neu gestalteten Storchplatz als sein erstes großes Projekt feierlich der Öffentlichkeit übergab.

                                             Der Einladung des Heimatvereins zum Storchplatz-Vortrag waren 27 interessierte Zuhörer
                                             gefolgt, schließlich gilt er als einer der bekanntesten Plätze der Saalestadt.

                                             „Der Storchplatz hat nichts mit dem Pfarrer Karl Storch zu tun“, sagte Hädecke bereits

                                             zu Beginn und berief sich unter anderem auf die Aussage des ehemaligen Calbenser

                                             Pfarrers Klaus Herrfurth. Auf dem Storchplatz plätscherte einst ein Springbrunnen.
                                             Karl Storch war von 1885 bis 1888 Pfarrer in Calbe an der St. Stephani-Kirche und habe
                                             zweifellos große soziale Dienste in Calbe verrichtet, so Hädecke.

                                             Doch Namenspate für den Storchplatz sei er keineswegs gewesen.

                                             Anhand historischer Zeitungsmeldungen wies Hädecke nach, dass die Anfänge
                                             des Storchplatzes um das Jahr 1898 zu suchen sind. Nach dem Abbruch eines

                                             städtischen Wohnhauses in der Neustadt 66 und der Bernburger Straße sollte an dieser Stelle

                                             ein Schmuckplatz errichtet werden. So heißt es am 24. April 1889: „Durch den Verschönerungsverein
                                             'Selbsthülfe' wird gegenwärtig der durch Abbruch der städtischen Gebäude entstandene Platz

                                             am Bernburger Thor mit gärtnerischen Anlagen und einem Springbrunnen versehen.“

                                                        Vandalismus schon zur Jahrhundertwende

                                             Reinhard Hädecke nutzte sein umfangreiches Archiv historischer Ansichtskarten der Saalestadt

                                             zur Veranschaulichung. Auch Vanda-lismus am Storchplatz sei laut Hädecke kein Phänomen

                                             der Neuzeit. In einer Zeitungsmeldung vom Januar 1901 wird beschrieben,

                                             wie „der eiserne Wasservogel von unbefugter Hand abgebrochen und entfernt“ wurde.

                                             Auf die Ermittlung der Täter wurde eine Belohnung ausgesetzt. In der Nacht vom 11. zum

                                             12. November 1906 sei der „künstliche Kranich“ auf dem sogenannten Storchplatz

                                             erneut mutwillig beschädigt worden. Seit 1901 machte es sich der Verschönerungsverein „Selbsthülfe“

                                             zur Aufgabe, den Storchplatz in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.
                                             Den wissenswerten Vortrag von Mitglied Reinhard Hädecke zeichnete der Heimatverein

                                             in Wort und Bild auf. Vorsitzender Uwe Klamm würdigte das Engagement des Calbensers,

                                             sich über viele Stunden im Stadtarchiv durch die Zeitungsbestände zu arbeiten.

                                             Nun will die Stadt den Bestand an historischen Zeitungen nach Bernburg auslagern,
                                             was für eine ehrenamtliche Chronistentätigkeit eigentlich das Ende bedeute.

 

 


 

Fotos: Andreas Pinkert

 

 

 

 

 

 

 

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